Es war die größte von Menschenhand geschaffene Hafenanlage der gesamten Antike, das Herzstück & der Motor, der das komplette karthagische Imperium betrieb – der “Kothon”.
Der Komplex setzte sich aus 1 zirkularen Militärhafen und 1 rechteckigen Handelshafen zusammen.

Größe: Der Militärhafen hatte einen Durchmesser von ca. 425m einen Umfang von mehr als 1,3 km und bot Platz für 220 Kriegsschiffe. Der äußere Ring des Hafens beherbergte 190 Schiffsschuppen für Ruderschiffe diverser Größen, darunter Triremen, Quadriremen & Quinqueremen nach archäologischen Funden. Dies deutete daraufhin, dass Karthagos Flotte eine Vielfalt an Schiffstypen in ihrer Marine einsetzte was für ihre Professionalität & Flexibilität sprach. Mind. 50.000-100.000 Mann waren nötig um solch eine Flotte zu bemannen (je nach Schiffstyp).
Der innere Ring bot Raum für weitere 30 Schiffsschuppen die aber größer waren und vermutlich für Großkampfschiffe, Belagerungsschiffe & Flaggschiffe errichtet wurden. 28 davon boten Platz für Hexaremen (6-Ruderer) auf denen vermutlich Katapulte installiert wurden um feindliche Küstenstädte zu bombardieren. 2 weitere waren sogar für Septiremen (7-Ruderer) konzipiert, die wohl als Flaggschiff/Kommandoschiff dienten.

Der rechteckige Handelshafen war ca. 750m lang und 350m breit und hatte eine Kapazität für weitere 150-200 Handelsschiffe.
Insgesamt war die Hafenanlage ca. 1,2km lang und bot eine maximale Kapazität von 350-400 Schiffe.
Der Hafen war nicht nur riesig, sondern auch extrem stark geschützt: Zum Meer war die Anlage mit einer massiven Steinmauer gesichert, die 15m hoch war und 10m dick, laut dem römischen Historiker Appian. Der Hafeneingang wurde nachts mit einer 70 Fuß (ca. 23m) langen massiven Eisenkette abgeriegelt und rundum die Uhr überwacht.

Wann wurde der Hafen gebaut? Anders als die anderen Häfen der Antike wurde diese Anlage nicht in einem Mal konstruiert, sondern von den Karthagern nach Bedarf vergrößert und erweitert: Archäologen konnten mehrere Konstruktionsphasen identifizieren zwischen dem frühen 5. Jhd. v. Chr. – Mitte des 3. Jhd. v.Chr. und war damit insgesamt wohl mehr als 200 Jahre im kontinuierlichen Bau. Dies ermöglichte Archäologen es auch heraus zu finden wann das Reich und wie rapide es expandierte.
Um ca. 500 v.Chr. wurde die natürliche Lagune im Kap Bon im heutigen Tunesien zu einer künstlichen Schiffsbucht umgegraben mit der Anlegung von ersten hölzernen Schiffsdocks, doch an einem Punkt zwischen 450-400 v .Chr endete dies abrupt mit dem Bau & Vergrößerung einer neuen Anlage. Zudem fanden Archäologen heraus das nicht nur der Hafen im späten 5. Jhd. v. Chr. transformiert wurde, sondern die Topographie der gesamten Stadt ebenfalls geändert und massiv erweitert wurde. Sprich: Die komplette Stadt wurde neu ausgelegt aufgrund der schnellen Expansion, der anschwellenden Anzahl von Immigranten und der rapiden Erweiterung eines vielseitigen Import-Export Handelsnetzwerkes.
Die finale Konstruktion & Befestigung des Hafens war laut Archäologen um Mitte des 3. Jhd. v.Chr. abgeschlossen, zu Beginn oder während des 1. Punischen Krieges gegen Rom – Die Anlage, die auf den Bildern zu sehen ist

Verfasser:  Gruppenmoderator Nizar Djerbiano

Facebook Comments